(von Timo Kübel)
Gegen 7 Uhr erwachten wir durch einen gewaltigen Donner und der Blick aus dem Fenster ließ uns schon auf einen kühleren Tag hoffen, da es ordentlich schüttete; leider war beim Frühstück nicht mehr die geringste Spur von Regen oder ähnlichem und wir näherten uns schon wieder der 30°C Marke auf dem Thermometer.
Als unsere Fahrer dann mit landestypischer Verspätung vor dem Hotel aufschlugen, konnte es los gehen und wir erreichten leicht verspätet unsere ersten Termin zur Firmenbesichtigung bei “Freudenberg Nonwovens (Pty) Ltd.“ Der Managing Director Herr Scheltema wartete schon und begrüßte uns mit einem Zwinkern und den Worten „Just in (African) Time ?“
Die Freudenberg Gruppe ist ein deutscher Mischkonzern in Familienhand mit 34000 Mitarbeitern und Standorten in 60 Ländern, der sich in verschiedenen Industriesektoren engagiert an dem von uns besuchten Standort wurden Fliesstoffe wie beispielsweise Vieleda Tücher hergestellt. Nachdem wir einen kurzen Überblick über Aufbau und Organisation der Firma erhielten, besichtigten wir die Produktion und lernten auch einen deutschen Ingenieur kennen der seit 4 Jahren hier lebt sowie arbeitet und mehr als zufrieden ist mit seiner Entscheidung, Deutschland den Rücken zu kehren.
Kaum bei Freudenberg aus der Tür mussten wir uns wieder sputen, da anscheinend nicht alle ihre Uhren umgestellt haben und wir nun wieder nur 30 Minuten bis zum nächsten Termin hatten; die darauf folgende Irrfahrt unsere Fahrer ließ uns dann mit einer halben Stunde Verspätung bei unserem 2ten Termin der Firma „MTU South Africa (Pty) Ltd.“ aufschlagen.
Diese ist eine Tochter der deutschen Firma „MTU Friedrichshafen“ und im Gegensatz zu ihrem deutschen Pendant baut diese keine Motoren, sondern kümmert sich von Südafrika aus um Vertrieb und Instandsetzung der MTU Motoren für den Sub-Sahara Bereich Afrikas.
Wieder bekamen wir einen kurzen Einblick in Aufbau und Organisation sowie in die Produktpalette bestehend aus Motoren für Schiffe, riesige Minen-Fahrzeuge, Stromaggregate die ganze Städte mit Energie versorgen können etc.
Der wirklich interessante Teil begann allerdings erst, als der technische Leiter uns in die Werkstatt führte und uns zeigte, wie sie erstens Motoren, die bei uns höchstens noch Schrottwert hätten, komplett zerlegen und neu aufbauen, da in Afrika die Arbeitszeit sowie der Lohn nicht das Problem sind, sondern der Mangel an Teilen und zweitens uns erläuterte, mit welchen Problemen sie in ihrem Tagesgeschäft zu kämpfen haben, wenn sie z.B. Motoren auf Ölbohrplattformen reparieren müssen oder in Minen in 3000 Metern Tiefe; außerdem kann man in Afrika natürlich nicht einfach von Land zu Land reisen, sondern braucht Visa, auf die man zum Teil Wochen wartet sowie in manchen Ländern Personenschutz oder spezielle Fahrzeuge, um bestimmte Gelände zu überbrücken. Selbst wenn diese Hürden überwunden sind wartet man im schlimmsten Fall immer noch Monate auf Ersatzteile.
Nach diesen Eindrücken lernten wir auf der Rückfahrt noch die „Rush Hour“ von Kapstadt kennen und wieder einmal spät an diesem Tag erreichten wir das Hotel; so schnell es ging packten wir schon für die morgendlich Abreise zusammen was ging, sprangen unter die Dusche und gingen noch eine letzte Pizza in Kapstadt essen, gefolgt von 2-14 Absacker Castle an der Hotelbar.
Timo Kübel
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