Mittwoch, der 22.2.2012
(von Simone Stahr)

Begegnungen
Nach der erfolgreichen Kili-Besteigung und einem Ruhetag stand zum Abschluss unserer Reise noch eine 2-tägige Safari-Tour an. Diese ging zum Lake Manyara und dem berühmten Ngorongoro-Krater, was uns beides in Richtung Westen in Nähe der Serengeti führen sollte. Früher waren der Krater und die Serengeti (ca. 100km auseinander) ein Nationalpark, heute werden diese getrennt verwaltet.
Also starteten wir am Dienstagmorgen um 8.30 Uhr mit unserem Driver Guide Emmanuel und einer weiteren, argentinischen Touristin und los gings mit dem Jeep mal wieder durchs Gelände (die Bezeichnung Straße wäre hier meistens völligst fehl am Platz). Vor uns liegen ca. 4 Stunden Fahrt zum Lake Manyara National Park und so bietet die Fahrt die Möglichkeit noch einiges vom Land zu sehen.
Außerhalb Moshi`s ist die Landschaft fast ausschließlich Steppe bis Wüste, und wir sehen viele Menschen mit Lasteseln oder auf Fahrrädern, die kanisterweise Wasser transportieren. Unser Guide erzählt uns, dass die Menschen z.T. mehrere Kilometer zurücklegen müssen, um in dieser Hitze an Wasser zu kommen. Zudem müssen diese Menschen tatsächlich für das überlebensnotwendigste auch noch bezahlen (20Liter Wasser kosten 100 tansanische Shilling) und bei Brunnenbaukosten von über 20.000 US-Dollar scheinen Mafiaausmaße in dieser Gegend vorzuherrschen.


Weiter fahrend erreichen wir bald das Massai-Gebiet, wo wir bunt gekleidete und im Gesicht tätowierte Menschen sehen, wie das Medienbild bei uns es immer erahnen lässt. Auch hier weiß unser Guide Bescheid, und so erfahren wir so manche Kuriosität (bis Verzeihung für uns Abartigkeit) über die Kultur der Massai: Männer haben teilweise mehrere Frauen, die Frau muss eine Hütte gebaut haben und in die Ehe einbringen, während der Mann von seinem Vater die Tiere (meist Kühe, Ziegen) miteinbringt. Dann arbeiten Männer ab 25 Jahren nicht mehr und sitzen nur herum, während die Frauen mit den Tieren unterwegs sind. Dafür wird dafür ausgegangen, dass die Männer bis 25 Jahre hart arbeiten und Schulbildung ist somit für die Jungen völlig tabu, während die jungen Mädchen in die Schule gehen können. Diese können sich ihre Ehemänner nicht aussuchen,sondern werden als Kinder bereits vergeben (verkauft).
Jeden Morgen trinken die Massai als Ritual nicht nur die Milch ihrer Tiere, sondern mischen dieses mit dem Blut der Tiere ab (Bon Appetite).


Besonders markant wirken die völlig schwarz gekleideten Massai mit weißen Tätowierungen im Gesicht am Straßenrand, dies sind junge Männer, die 3 Monate lang außerhalb der Familie leben müssen um sich zu beweisen. (Von auffälligem Fotografieren rät uns unser Guide ab, „sonst könnten Steine aufs Auto geworfen werden“).
Auf dem weiteren Weg wird die Landschaft zumindest etwas grüner und wir nähern uns dem Lake Manyara...auf einmal legen wir eine halbe Vollbremsung hin und siehe da: schon vorm Nationalpark der erste Gänsehaut-Moment. Ganz nah am Straßenrand weiden 3 Giraffen, eine Mischung aus völliger Ruhe und Eleganz. Da die Tiere sich völligst frei bewegen können und die Parks nicht eingezäunt sind, sollte man also auch bei Freizeitbeschäftigungen außerhalb der Parks äusserste Vorsicht walten lassen (bzw. auf unsere Frage zu giftigen Tieren und der Antwort „yes, a lot of black mambas“ am besten gleich sein lassen).

Angekommen am Lake Manyara, der früher Massai-Gebiet war, dann von der Regierung zurückgekauft und zum Nationalpark erklärt worden ist, haben wir das Gefühl gleich im Paradies zu verschwinden. Nach wenigen Metern entdecken wir in der Waldlandschaft jede Menge Affen und Vögel, gefolgt von Mangusten und Gazellen, dann entdecken wir auf der Steppenfläche Zebras, Gnus, Flamingos. Am Hippo-Pool verstecken sich die Hippos leider im Wasser, doch mit dem Fernglas lassen sich auch hier einige ab und zu an der Wasseroberfläche auftauchende Köpfe ausmachen. Nach einer Runde über die Weidefläche und unzähligen Fotos fahren wir zurück in den Wald und.....Bremsen!!! Direkt an der Straßenseite probieren sich grade 2 männliche Elefanten durch den Speiseplan. Mit völliger Gelassenheit ob unserer Anwesenheit essen sie vor sich hin und auch wir genießen den Anblick...Kurz darauf stoppen wir wieder und entdecken mit viel Hilfe endlich 3 Löwen, die in den Bäumen abhängen.










Auf der nächsten offenen Fläche kommen wir auch nochmals in den Genuss ca. ein Dutzend Giraffen bei ihrer Nahrungsaufnahme zu bewundern. Auf unserem Rückweg kreuzen immer mal Affen oder andere Kleintiere unsen Weg und der erste Tag ist perfekt, kurze Fahrt zu unserem Hotel, hoppala hier draußen im nowhere gibt’s so ein geiles Hotel?
Kein Traum: riesiger Eingangsbereich, geräumiger Bar- und Dinnerbereich, Zimmer super gelegen und ein Wahnsinns-Pool mit Bar, den Herr Prof. Dr. Lippold gleich einmal mit einer Wahnsinnsbegeisterung ausprobiert...und sich prompt an einem Felsen an der Bar schneidet.... auch Tiere finden sich gerne mal dort ein, sogar schon einmal ein Leopard, den man einfangen und zum Nationalpark zurückbringen musste.
Mal wieder an der Bar lassen wir den Abend nach einem sehr guten Essen ausklingen, aber es geht nicht zu spät in die Falle, denn am nächsten Morgen müssen wir früh raus für unsere Fahrt zum Ngorongoro-Krater. Dabei fahren wir hoch bis auf ca. 2300 Meter und bekommen einen Wahnsinnsblick in den ungefähr 600m tiefen Krater geboten. Der Nationalpark ist 8300 qkm groß und ein Paradies für die gesamte Tierwelt. Viele wandern zwischen dem Krater und der Serengeti auf der Suche nach Nahrung hin und her. Wir fahren hinunter in den Krater und bekommen einen hautnahen Kontakt zu den Tieren. Zu Tausenden grasen hier Zebras, Gnus und Büffel, dazu Impalas und Thombson-Gazellen, am Kraterrand entdecken wir 2 Elefanten. Verschiedene Vögel und Kranicharten folgen; wir wissen gar nicht wo wir hinschauen sollen.Dann folgt ein Tümpel, darin wälzen sich so ca. 30 Hippos, da das Wasser nicht tief genug zum kompletten Abtauchen ist, müssen sie sich regelmäßig wie ein Spieß auf dem Grill wenden und so hängen öfters Füße in der Luft.






Unser Guide ist die Härte, bei nur kleinen schwarzen Punkten am Horizont weiss er dennoch sofort welche Tiere dort stehen, wir kriegen es so grade mit dem Fernglas hin. Dadurch erahnen wir am Horizont tatsächlich auch eine Gruppe von 4 Nashörnern und weitere Elefanten. Beim nächsten Stopp entdecken wir erstaunlich nah zwischen den Nahrungsquellen in der Sonne liegend ein ganzes Rudel Löwen und was kommt jetzt??? Die ersten stehen auf und nähern sich unseren Jeeps, näher, noch näher, ganz nah!!! Man beginnt sich zu fragen, wer hier wen beobachtet (Touristen=Essen auf Rädern?), hautnah und schwanzwedelnd laufen sie direkt am Fenster vorbei und einige legen sich auf der Suche nach Schatten direkt an die Autos dran.





Weiter geht’s nach diesem lustigen Treiben weiter durch jede Menge Horden aus Zebras und Gnus zu einem jetzt größeren Teich, hier nehmen wir in Anwesenheit weiterer Hippos, angriffslustiger Adler (Falken?) und drohendem Gewittergrollen unser Lunch zu uns. Nach diesem landschaftlichen und mehr oder weniger kulinarischem Hochgenuss müssen wir uns leider wieder auf die lange Heimfahrt nach Moshi machen, die wir ob der absoluten Reizüberflutung und aufkommender Müdigkeit weitestgehend verschlafen.
Oder wie es in Kölle so schön heißt: am Aschermittwoch ist alles vorbei!
Simone Stahr
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