(von Horst-G. Lippold)
Nach der Besteigung des Mount Kinabalu während der letztjährigen Studienreise hatte Simone Stahr die Frage aufgeworfen, ob es denn das nächste Mal wohl auf einen Fünftausender gehe. Also haben wir beschlossen, auf dem Rückweg von Johannesburg nach Köln einen Zwischenstopp am Kilimandscharo einzulegen und es mit dem Kilimandscharo mit seinen 5895 m zu versuchen.
Da die restlichen Teilnehmer der Studienfahrt entweder einige Tage in Mosambique bleiben oder in Südafrika auf Safari gehen wollten, sind wir also am Sonntag, den 12.2.2012 zu zweit aufgebrochen: am frühen Sonntagmorgen per Bus Rückfahrt nach Johannesburg, gegen Mitternacht mit Precision Air weiter nach Daressalam, von dort nach Mwanza am Viktoriasee (sehr schön) und am frühen Nachmittag weiter zum Kilimanjaro-Airport, wo wir abgeholt und zum Zara-Hotel nach Moshi gebracht wurden.

Nach dem abendlichen Briefing mit unserem Guide Julius (oder Stammes-Name Joel) ging es dann an´s Packen für die Bergtour. Hier kamen dann endlich unsere Winterjacken, Handschuhe etc. zum Einsatz, die uns im warmen Südafrika nur den Koffer voll und schwer gemacht hatten.
Am nächsten Morgen ging es dann endlich los zum Gate des Kilimanjaro-Nationalparks, wo wir auf einer Höhe von knapp 2000 m unsere Guides und Träger trafen und unseren Weg über die Marangu-Route starten konnten. Zu zweit bekommt man üblicherweise zwei Führer, einen Koch und vier Träger bzw. mehr, wenn man die Tour per Zelt und nicht wie wir über feste Unterkünfte bucht. Die Marangu-Route verfügt als einzige Route über feste Unterkünfte (was uns angesichts möglicher Regenfälle sinnvoll erschien) und heißt deshalb auch Coca Cola-Route, ist aber im Sprachgebrauch der Studienfahrt trotzdem keine Pussy-Tour.
Die erste Tagesetappe ging es wegen der Wärme leichtbekleidet durch einen traumhaft schönen Regenwald bis zu den Mandara-Huts auf 2700 m Höhe, wo die erste Übernachtung anstand. Wichtig ist bei der Kilimandscharo-Besteigung „polepole“, was soviel bedeutet wie „langsam“. Es ist zwingend notwendig, extrem langsam zu gehen, um in der zunehmend dünneren Luft nicht außer Atem zu kommen und dem Körper die Gelegenheit zu geben, sich zu akklimatisieren; andernfalls wird die Tour auf einer höheren Etappe garantiert zum Fehlschlag. Dieses Schneckentempo bergauf sieht allerdings z.T. absurd aus angesichts der quasi im Laufschritt den Berg hinauf- und hinabeilenden Träger mit ihren teilweise 30 kg schweren Lasten.


Weil wir einen solchen Akklimatisierungstag eingeplant hatten, haben wir dort also insgesamt dreimal übernachtet. Am nächsten Morgen sind wir zu einer dreistündigen Wanderung zu den Zebrafelsen aufgebrochen und haben eine Höhe von 4200 m erreicht, die einen Ausblick auf das nächste Etappenziel Kibo erlaubte. Das war höher als der Mount Kinabalu im letzten Jahr und wir waren glücklich, keinerlei Kopfweh oder sonstige Symptome der Höhenkrankheit zu verspüren. Der Rest des Tages verging wieder sehr ruhig mit viel schlafen, essen und trinken.
Das Essen wurde nunmehr rein vegetarisch, weil Lebensmittel wie Fleisch und Fisch nur ca. 4 Tage gekühlt werden können. Nach dem Abendessen war dann für uns schnell die Nacht vorbei, weil wir gegen 23 Uhr aufstehen, packen und essen mussten, um gegen Mitternacht zum Gipfel aufzubrechen und den Gipfel möglichst gegen Sonnenaufgang zu erreichen.
Zu unserer Überraschung verspürten wir abgesehen von einer verständlichen Kurzatmigkeit (polepole !) keinerlei Kopfschmerzen oder Übelkeit. Mit dem Erreichen des Kraterrandes gilt man übrigens offiziell als Kilimandscharo-Bezwinger und obwohl uns dort ein fast sturmartiger Wind mit -22°C empfing, fühlten wir uns neu belebt und sind mit frischen Kräften das restliche Wegstück und die letzten 200 Höhenmeter zum Uhuru-Peak angegangen. Auf dem Weg dorthin zeigte sich am Horizont das erste Morgenrot und schließlich haben wir um 6 Uhr im Sonnenaufgang überglücklich unser Ziel erreicht: Uhuru-Peak oder früher wegen dem deutschen Erstbesteiger Hans Meyer „Kaiser-Wilhelm-Spitze“.
Auf meine diesbezügliche Nachfrage erklärte Julius, dass nur ein einziger es noch acht Minuten schneller geschafft habe. Wer mich kennt, weiss, dass ich jetzt typischerweise anfange zu spinnen und ich habe mich (typisch Läuferdenke) mit dem Gedanken beschäftigt, dass wir (diese Zeit vorher wissend) mit weniger Pause locker Bestzeit gelaufen wären. Dieses Absurdistan ist allerdings nur Läufern verständlich und wie heisst es so schön: wenn man keine Sorgen hat, läuft man und dann hat man welche. Ich habe das Ganze also schnell abgehakt und mich wieder im Glanze unseres Gipfelglücks gesonnt, oh ja !
Der sechste und letzte Tag verlief wiederum atemschonend abwärts von den Horombo-Huts mit Zwischenstop bei den Mandara-Huts zum Park-Gate und nach Hause in´s Hotel. Den Abend haben wir dann gemeinsam mit unseren Führern und Simba in der Stadt gefeiert.
Am nächsten Tag haben wir erst mal einen Ruhetag eingelegt und erlebten gegen Mittag einen sintflutartigen Regen, der dazu führte, das der Kilimandscharo wie auf alten Photos schneebedeckt war und dass der Gipfel gesperrt wurde. Das hätte uns also genau getroffen, wenn wir zwei Tage später aufgebrochen wären !
Ich hoffe, dass Simone Stahr jetzt nicht irgendwann fragt, ob es das nächste Mal auf einen Sechs- oder Siebentausender geht. Aber, schaun mer mal !
Tja, liebe Leute: im Frühtau zu Berge; das Wandern ist des Müllers Lust; immer schön fröhlich bleiben und das soll uns erst mal einer nachmachen !
In dem Sinne
and if I don´t see You:
good afternoon, good evening and good night,
Horst-G. Lippold


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